Straßen in Sansibar
Straßen als Verkehrsadern sind natürlich auch bei uns Orte, an denen sich viel abspielt. Auf Sansibar – wie praktisch überall in Afrika – sind sie jedoch viel mehr: Dort findet ein wichtiger Teil des sozialen Lebens an der Straße statt.
Das häufigste Fortbewegungsmittel ist wohl das Fahrrad. Oder man geht zu Fuß. Mopeds sind schon etwas, was man sich leisten können muss und Autos sind sowieso für die meisten unerschwinglich. So spielt sich der Großteil des Verkehrs mit einer Geschwindigkeit ab, die es leicht macht, mit den Leuten am Wegrand zu kommunizieren. Man ruft einander zu, bleibt stehen, redet, handelt etwas aus, nimmt etwas mit für die Verwandten im nächsten Dorf usw.
Hier wird deutlich, warum Verkehrswege für den wirtschaftlichen und sozialen Erfolg besonders wichtig sind. Bei uns in Europa sind die Straßen zu Durchzugsstraßen geworden, die man am liebsten weit weg von der eigenen Wohnung hat. Der Verkehr rauscht vorbei, Stehenbleiben auf dem schnellsten Weg von A nach B ist nicht Teil des Konzepts. Nur wenige bei uns profitieren von einer Lage direkt an der Schnellstraße. Dort in Sansibar und in Afrika, mit den langsamen, offenen Verkehrsmitteln, bedeutet die Präsenz an der Straße eine wichtige Kontaktmöglichkeit mit vielen Passanten. Das wiederum bedeutet Umsatzmöglichkeiten, Informationsaustausch, soziale Kontakte. So, stelle ich mir vor, war es auch bei uns in noch langsameren Zeiten, als Pferdefuhrwerke noch eine Rolle spielten.
Motorisierung in Sansibar
Auch in Sansibar sind Autos begehrter als Fahrräder. Die Tatsache, dass das Auto des Präsidenten es wert ist, ins Museum gestellt zu werden, unterstreicht nur diesen Stellenwert. Der Wunsch ist natürlich verständlich. Ein Kellner aus dem Hotel erzählte, dass er nach Dienstschluss – nachts um eins – noch 25 km mit dem Fahrrad nach Hause fährt. Er spart auf ein Moped.
Autos sind beileibe nicht so selten wie man jetzt nach diesem Text meinen kann. In den größeren Orten, besonders in der Hauptstadt, sieht man sehr viele Autos und es heißt gehörig aufpassen, dass man nicht überfahren wird. Übrigens: in Sansibar gilt Linksverkehr.
Schon 1879 (!) gab es eine Eisenbahn – ein Privatvergnügen des Sultans, nach seinem Tod 1888 wurde sie aufgelassen. 1905 kam dann die zweite Bahn, ca. 10 km von der Hauptsadt nach Norden. Sie bediente den Personen- und Güterverkehr. Obwohl sie 1930 aufgelassen wurde, merkt man noch heute, dass die Orte in der Region, die sie abdeckte, das wirtschaftliche Zentrum der Insel bilden.
Links
Geschichte des Eisenbahnverkehrs in Sansibar (englisch)
Bild von der Beladung der Eisenbahn in Bububu (Bildbeschreibung englisch)