Hong Kong ist klein
Ständig finden wir uns in der selben Gegend wieder. Der Juli bringt nun schon das dritte Foto aus dem gleichen Eck. Im Januar hatten wir den Buddha, im Mai die Hochhäuser und jetzt die Seilbahn, die eben bei diesen Hochhäusern startet und hinauf nach Ngong Ping führt. Gebaut wurde die Seilbahn von der
Südtiroler Firma Leitner, die bei uns hier zahlreiche Skilifte gebaut hat und baut.
In Tirol undenkbar
Für Tiroler Verhältnisse ist es eine merkwürdige Seilbahn. Sie startet am Meer (haben wir in Tirol keines) und verläuft die ersten 600 m flach dahin – in Tirol ginge es sofort steil nach oben. Dann gehts durch eine Station, in der man nicht aussteigen kann– wozu auch, wir sind ja noch auf Seehöhe. In der Station macht die Seilbahn eine 60° Kurve und fährt über die Bucht – 1,5 km bis zur nächsten Stütze. In diesem Abschnitt wurde das Foto auf dem Kalender gemacht. Von hier aus hat man einen guten Ausblick auf das neue Wohnviertel Seaview Crescent (das mit dem Hochhaus vom Mai) und auf der anderen Seite auf den Flughafen. Diese lange Strecke frei über dem Meer schwebend ist der beeindruckendste Teil. Hoch über dem Wasser erleben wir Tiroler die Fahrt unlogischerweise bedrohlicher als über einer Schlucht. Wenn man hinunterfällt, tut aber beides gleich weh.
Der Schock
Nachdem die Bucht überquert ist, geht's hinauf auf den Berg, zur nächsten Überraschung – unfassbar: in der Bergstation kann man wieder nicht aussteigen. Wozu, bitte, sind wir hier heraufgefahren? Die Bahn macht eine leichte Kurve – und fährt bergab! Das muss ein Fehler sein. Wir Tiroler springen auf, schreien, gestikulieren, wollen aus dem Fenster springen (geht eh nicht auf), suchen die Notbremse. Die Chinesen in der Gondel beruhigen uns mit klangvollem Zureden, deuten hinaus auf die 'schöne' Landschaft, lächeln. Keine Ahnung, was sie sagen, aber es wird wohl seine Richtigkeit haben. Wir können sowieso nichts machen.
Unterhalb der Bahn sieht man ganz vereinzelt ein paar Wanderer, die den Weg zu Fuß machen. Ein Großteil des Wanderwegs ist ein mit Holz ausgelegter Steig. Wie eine Autobahn für Wanderer. Schmal zwar, aber ausgebaut fürs Hochgeschwindigkeitswandern. Ich habe in Hong Kong sogar Wanderwege gesehen, einen guten Meter breit, geteilt für Wanderer auf der einen und für Mountainbiker auf der anderen Seite (ich werde das Foto noch ausgraben und in einem Kommentar einstellen). Häufig sieht man an Wanderwegen auch Notrufsäulen.
Am Ziel
Auf dem letzten Teil der Seilbahnfahrt, hinunter zur Bergstation, hat man noch einen schönen Ausblick auf den Tian Tan Buddha, den vom Januar-Blatt. Ngong Ping, das Ziel der Bahn, ist ein aus dem Boden gestampftes kleines Dorf, Läden und Lokale für die Ausflügler. Keine Bewohner außer den Bediensteten. Hier wird das Geschäft gemacht, das man direkt im nahegelegenen Kloster und mit dem Buddha nicht machen will.
Die Seilbahn sei, hat jemand behauptet, die längste von ganz Asien. Egal, für uns Älpler ist sie in jedem Fall eine Fahrt wert. Das nächste Mal würde ich jedoch schauen, ob ich eine von den Gondeln mit Glasboden erwische. Das muss über dem Meer noch einmal ein ganz spezieller Kick sein.
Mehr Info
Wer mehr wissen will, findet natürlich im Netz einen ganzen Haufen. Hier sind ein paar Links, die ich herausgefiltert habe:
Videos von der Seilbahnfahrt auf Youtube . Nicht gerade spannend, aber fuer Freaks...
Offizielle Website der Seilbahn
Luftbild der Seilbahntrasse
Ausführliche Beschreibung (französisch) und zahlreiche Fotos und Skizzen